Kommunalpolitiker trinken gerne mal einen Espresso aus dem Automat

Oft passiert es, dass man in Eile ist und doch Lust hat, einen kleinen Kaffee, oder einen Espresso zur Stärkung mit auf den Weg zu nehmen. Die kleinen Gefäße aus Styropor oder Papier sind denn auch allgegenwärtig. Sie stammen aus dem Espressoautomat (espresso machine) um die Ecke, am Bahnhof, im Büro oder an der Bushaltestelle.


Dabei gebärden sich zahlreiche Schichten der Gesellschaft als ausgesprochen passionierte Kaffeetrinker. Die Putzfrau, beim Aufwischen des Bodens, der Fabrikarbeiter nach gemachter Arbeit, oder der Lehrer, der Arzt, die Hebamme. Alle trinken sie Kaffee. Und natürlich Kommunalpolitiker.

Kommunalpolitiker sind immer in Eile. New Yorks Politik hat deshalb für seine Bediensteten Espressoautomaten zur Verfügung gestellt, um wenigstens in den kurzen Pausen einen Kaffee zu genießen. Dies, nachdem sich in den Sitzungsunterbrüchen viele Angestellte über Müdigkeit beklagten und die Zeit nicht ausreichte, sich im Coffee Shop einen Becher Kaffee zu holen. Um einen politischen Vorstoß einiger geplagter Bediensteten zu verhindern, entschloss sich der Präsident eines Finanzausschusses persönlich, New Yorks Politik zusätzlichen Antrieb zu verleihen, indem Espressoautomaten aufgestellt wurden. Der Mann aus den demokratischen Lager erntete für seinen Antrag breiten Applaus, nachdem er auf witzige Weise und einem Beispiel mit einer rosaroten Kaffeemühle (coffee grinder) darlegen konnte, dass Kaffee die Arbeitsintensität fördere und die „verlorenen“ fünf Minuten am Espressoautomaten durchaus Gespräche förderten, die im Rat unter Umständen gar nie möglich wären. So besagen unbestätigte Gerüchte, dass erst das Treffen zweier Politiker beim Kaffee genießen dazu geführt habe, dass man sich bei einem umstrittenen Bauprojekt auf einen Konsens geeinigt habe. Motiviert durch dieses Gerücht sollen sich Politiker New Yorks bei ausweglosen Situationen öfter vor dem Espressoautomaten verabreden, um in der Eile doch noch gute Lösung zu finden.

Die Bediensteten des Ratsgebäudes sparen jedenfalls nicht damit, zusätzliche Pausen mit der bewiesenen Wirkung auf Kommunalpolitiker zu erklären. Außerdem entspanne der Klang der Kaffeemühle die Gemüter, wird weiter behauptet. Seit deren Einführung sind die Espressoautomaten zu regelrechten Anlaufstellen für allerlei Probleme geworden und mittlerweile behaupten einige Stimmen, beim Kaffee genießen seien schon mehr Lösungen gefunden worden, als in der Zeit im Parlament und als noch keine Espressoautomaten zur Verfügung standen. Es bedurfte zuletzt aber dennoch eines Vorstoßes, nämlich durch den Ratspräsidenten, der die Anzahl Besuche bei den Stehtischchen auf drei pro Tag beschränken wollte. Er begründete seinen Einwand damit, es entstünde bei der Bevölkerung der Eindruck, man entscheide wichtige politische Dinge beim Kaffe Tratsch. Der Vorstoß wurde aber deutlich verworfen, nachdem einige Politiker New Yorks feststellen mussten, dass sich so manch ein Problem im entspannten Rahmen einfacher diskutieren ließ.

Kommunalpolitiker trinken gerne mal einen Espresso aus dem Automat. Sie haben nicht nur Lust als kleinen Umtrunk Kaffee zu genießen, sondern nutzen die Gelegenheit, im privateren Rahmen auf die Sorgen und Anliegen ihrer politischen Gegner einzugehen und schneller zu einer Lösung zu finden. Wenn man in Eile ist, das bestätigen alle Bediensteten, sind Espressoautomaten eine gute Gelegenheit New Yorks Politik auch in den Pausen zu fördern, wenn die Kaffeemühle vor sich her surrt.